
Aus Karstens Archiv: »Das Minotaurus Mysterium«
Nach sechs »Piccolo«-Heften und einer handvoll Kurzgeschichten fand ich, dass es an der Zeit war zum »großen Wurf« auszuholen. Ein Album sollte es sein. Kein gewöhnliches Album natürlich, sondern eines, dass eine richtig epische Geschichte erzählte.
Leichter gesagt, als getan. Ursprünglich waren - ganz wie bei »Tim und Struppi« - 62 Seiten anvisiert. Leider entwickelte sich das Traumprojekt zum Alptraum. Ursprünglich sollte die Story von Schaufensterpuppen handeln, die von einem kriminellen Wissenschaftler zum Leben erweckt werden und die Stadt ausplündern. Dann erfuhr ich, dass der Belgier Marc Wasterlain bereits etwas Ähnliches gemacht hatte. Also warf ich meine Pläne über den Haufen.
Ein Riesenfehler. Man sollte nie eine Geschichte umwerfen, nur weil ein anderer schon »etwas ähnliches« gemacht hat. Je länger ich an den Seiten arbeitete, desto mehr wuchs mir das ganze Projekt über den Kopf. Statt 64 Seiten schaffte ich nur schlappe 54. Dann warf ich das Handtuch. Für eine geplante Hardcoverausgabe zeichnete ich noch zusätzliche zwei Seiten, die aber nie erschienen. Statt weniger Wochen saß ich fast ein ganzes Jahr an der Geschichte.
Eigentlich sollte das Endprodukt ein farbiges Hardcover sein. Stattdessen erschien lediglich eine kümmerliche Softcoverausgabe. Der Druck des Covers war eine Katastrophe - ganz wie die Verkaufszahlen. Neben den Hochglanzprodukten aus dem Hause Carlsen wirkte mein Album wie ein häßliches Entlein. Das war es wohl auch.
Kleine Anekdote am Rande: Als der geniale Comiczeichner Will Eisner (»The Spirit«) Im Erscheinungsjahr des Albums in Deutschland weilte, drückte ihn jemand in meinem Beisein mein Machwerk in die Hand. »They never print as good as we draw«, lautete sein tröstlicher Kommentar. Naja.
Die Fortsetzungen erscheinen wöchentlich.

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